… und sie ist raus

… oder auch nicht

Er darf sich in Deutschland aufhalten, aber nicht arbeiten. Die meisten seiner Jobs sind prekär: Schwere körperliche Arbeit – oft auf Baustellen – für vier bis fünf Euro die Stunde.

Aber durch einen deutschen Freund hat er gelegentlich – manchmal für ein paar Tage und manchmal für ein paar Wochen – einen Putzjob, der mit Mindestlohn bar auf die Hand vergütet wird. Zwei oder drei Stunden sind es. Er muß dann in einem Tempo arbeiten, daß er völlig durchgeschwitzt ist und nicht einmal Zeit für eine Toilettenpause ist, denn der Betrieb öffnet auf die Minute pünktlich für die Kundschaft. Der Chef mag ihn, weil er zuverlässig, freundlich und ehrlich ist.

Letzte Woche hat der Chef gefragt, ob er nicht die Stunden von einer Kollegin mit übernehmen möchte. Die ist dem Chef zu langsam und soll deshalb ersetzt werden. Er bräuchte das Geld dringend für die Familie zuhause. Zum Chef hat er gesagt: Wenn 70jährige Frau hier arbeitet, dann braucht Geld. Kann ihr nicht wegnehmen Arbeit. Fühle mich sonst schlecht. Wenn Frau im Urlaub, dann ich mache ihre Arbeit – sonst nicht. Solche Geld bringt kein Glück. 

Der Chef hat ihm am nächsten Tag zwanzig Euro zusätzlich gegeben.

Mehr Beiträge zu prekärer Arbeit

 

 

Tafel-Erfahrung April 2022

Sie ist Ende Sechzig, lebt von Grundsicherung und geht seit Jahren zur Tafel. Es ist mühsam für sie mit ihrer Gehbehinderung. Das lange Warten – meist eine knappe Stunde – ist anstrengend für sie. Es gibt keine Sitzmöglichkeit. Seit Corona dürfen sie nicht mehr ins Kirchengebäude, und es ist eine windige Ecke.

Sie erzählt, daß sie diese Woche 2 1/2 Stunden anstehen mußte. Es dauert alles länger. Wegen der Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind. Da wird erst geprüft, ob die bei der richtigen Lebensmittelausgabestelle sind. Dann muß die ganze Anmeldeprozedur durchlaufen werden. Das dauert. Es sind immer so viele Lebensmittelpakete da, wie Menschen bei der jeweiligen Ausgabestelle angemeldet sind. Da die Leute aus der Ukraine gleich eine Tüte bekommen, gehen dann Stammkunden leer aus.

Was sie diese Woche bekommen hat – frage ich: Vier Bananen, zwei Orangen, Äpfel (die genaue Zahl ist mir entfallen, aber unter fünf), eine Salatgurke, zwei Kohlrabi. Nach zweieinhalb Stunden. 

Fremdschämen

Sonnabend 19. März zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr in der Bahnhofsbuchhandlung am Ostbahnhof in Berlin:

Ein Mann in abgetragener Kleidung – ich sehe ihn nur von hinten – steht an der Kasse. Ein älterer Mitarbeiter spricht ihn scharf mit herablassendem Ton an. Deutlich sind die Worte zu hören:

Wasch dich erst einmal und rasier dich. Dann kannst du wiederkommen„.
 
Der Mann schleicht wie ein geprügelter Hund davon.

Gleich nebenan … (13)

… einen Klick weiter findet Ihr / finden Sie eine Geschichte, die schon etwas älter aber deswegen nicht weniger aktuell ist: Von einem, der in seinem Heimatland Universitätsprofessor ist. Aus einer familiären Notsituation heraus läßt er sich beurlauben, weil er in einem reichen Land als Hilfsarbeiter ohne Arbeitspapiere auf einer Baustelle mehr verdienen kann. 

Dort im Blog gibt es auch die Kategorie Armut– einfach die Seitenleiste runterscrollen.

Aber jetzt erst mal die Geschichte vom Bauarbeiterprofessor und vom Taxidoktor und unseren Blindheiten 

Eine Tote zuviel …

… ist der Titel eines Berlin-Krimis aus der Reihe „ein starkes Team“. Die (Über-)Lebensbedingungen und Strategien von illegalisierten Menschen werden sehr realistisch dargestellt. 

Eine Frau wird vom Dach eines Hochhauses gestürzt. Als die Kommissare Verena Berthold und Otto Garber den Angehörigen die Nachricht überbringen wollen, stellen sie fest, dass die Tote lebt. Stattdessen ist Lisa Markovich gestorben. Eine Weißrussin, die ohne Aufenthaltsgenehmigung und mit gefälschten Papieren illegal in Berlin lebte. Bis zu ihrer Kündigung arbeitete sie bei der Helmes Gebäudereinigung …
 
bis 12.3.2023 in der Mediathek vom ZDF und zwar hier

Caritas-Foodtruck: Neuer Standort in Lichtenberg

Ende Januar wurde der Fahrplan des Caritas-Foodtrucks um einen neuen Standort in Lichtenberg erweitert. Auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus Lichtenberg werden dann montags in der Zeit von 14:30 Uhr bis etwa 15:45 Uhr frisch gekochte, warme Mahlzeiten für Obdachlose und Bedürftige angeboten.

Weitere Standorte des Foodtrucks:

Dienstag 14.30 – 15.45 Uhr

Bahnhofsmission am Ostbahnhof
Erich-Steinfurth-Straße
S-Bahnbogen 8 · 10243 Berlin

Mittwoch 14.30 – 15.45 Uhr

Zwölf-Apostel-Kirche,
An der Apostelkirche 1 · 10783 Berlin
Vorplatz

Donnerstag 14.30 – 15.45 Uhr

Alexanderplatz am Fernsehturm
Nähe Eingang Fernsehturm

Freitag 14.30 – 15.45 Uhr 

Evas Haltestelle 
Müllerstraße 126 · 13349 Berlin,
bzw. Einfahrt Kongostraße

Seit Juli 2020 wurden mehr als 40 000 Mahlzeiten ausgegeben. 

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Handel mit der Wartenummer

Viele Weisse können schwarze Menschen nicht gut unterscheiden. Das nützt EINER aus einem schwarzafrikanischen Land. Seine Unterkunft befindet sich ganz in der Nachbarschaft einer Beratungs-stelle, bei der Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben und oft auch von Abschiebung bedroht sind ehrenamtlich von Juristen im Ruhestand beraten werden.

Es werden Wartenummern ausgegeben. Täglich sind mehr als sechzig Ratsuchende im Wartebereich. Klar ist, daß nie alle dran kommen. Viele kommen von weit her schon ganz früh und hoffen, daß es klappt mit der Beratung. ER kommt mehrmals wöchentlich, zieht eine Wartenummer und verkauft sie.

 

Kieztour: SOS! Fluchtwege zwischen Seenotrettung und Kirchenasyl

Ein Veranstaltungshinweis für alle, die in Berlin wohnen oder Mitte August in Berlin sind:

Die Stadtspaziergänge durch das soziale Berlin „Kieztouren mit Herz“ gibt es seit 2016. Sie werden auch 2021 fortgesetzt. Sie beleuchten ganz unterschiedliche Lebenswirklichkeiten.

Berliner Kieztouren mit Herz

Samstag, 14.08.2021: Kieztour zum Thema
SOS! Fluchtwege zwischen Seenotrettung und Kirchenasyl

„Nichts an der Flucht ist flüchtig. Sie stülpt sich über das Leben und gibt es nie wieder frei“ (I. Trojanow).

 

Geflüchtete riskieren ihr Leben für Deutschland. Und stellen dort fest: Die Flucht endet nicht hinter der Grenze. Sie verfolgt sie weiter, etwa durch Kriminalisierung, Nicht-Zuständigkeit und Abschiebung. Für manche ist das Kirchenasyl die letzte Rettung. In dieser Kieztour begegnen wir Menschen, die viel hinter und vor sich haben – und solchen, die sie unterstützen.

Kosten: 5 €; Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben
Zeit: 11.00 h – 13.00 h

Anmeldung nur über das Online-Formular am Ende dieser Seite.