Spurlos verschwunden

Drei Tage wußte niemand, wo er abgeblieben war. Von einer neuen Arbeit war die Rede gewesen. Er tauchte nicht mehr auf in seiner Unterkunft. Kein Anruf. Nichts. Banges Warten. Ein Unfall? Überfall? Am vierten Tag tauchte er so plötzlich auf, wie er verschwunden war. Am vereinbarten Treffpunkt wurde er in ein Auto verladen. Dass er drei Tage kreuz und quer in Deutschland unterwegs sein würde ohne Möglichkeit in ein Internetcafe zu gehen, das hatte ihm niemand gesagt. Schwere körperliche Arbeit, gehetzt werden, nichts war schnell genug. Und dann nur die Arbeitsstunden an sich: Sieben Euro pro Stunde unterm Strich.

Werbeanzeigen

Zwischen den Stühlen und in den Mühlen des Rechtsstaates.

Einer bittet um ein Bett für zwei Nächte. Er muß zum Büro des UNHCR. Vor Jahren bereits hat ihm diese Organisation ein Papier ausgestellt, daß die Rückkehr in sein Heimatland seinen sicheren Tod bedeuten würde. Die politische Situation in seinem Land hat sich nicht zum Besseren verändert, sondern zum Schlechteren. Sein Asylverfahren läuft und läuft und … Er soll nachweisen, daß das Dokument echt und nicht gefälscht ist. Freunde haben ihm das Geld für die Fahrt nach Berlin gegeben. Er hat noch einen Behördenbrief dabei, aus dem hervorgeht, daß seine Abschiebung für einen Tag in dieser Woche festgesetzt ist. Kann doch nicht sein – meint er. Doch nicht während des laufenden Verfahrens.

Zugefallen

Er war mit seinem neuen Arbeitgeber unterwegs im Auto und sieht in einem anderen Auto seinen alten Arbeitgeber sitzen: Den, der ihm noch 690 Euro schuldet. Er bittet den neuen Arbeitgeber dem Auto nachzufahren. Der alte Arbeitgeber fährt zu seinem Büro. Nun weiß er, wo der alte Arbeitgeber sein Büro hat. Nachdem er erzählt hat, was ihm passiert ist, begleitet ihn der neue Arbeitgeber zum alten Arbeitgeber. Der neue sagt: Ich habe einen guten Anwalt. Wenn Du ihm sein Geld nicht gibst, sage ich dem Anwalt bescheid. Dann wird es teuer für dich. Fazit: Die erste Rate des ausstehenden Lohns wird bezahlt.

Kein Lohn – was tun?

Hart gearbeitet. Mauerdurchbrüche hat er gemacht. Dabei mußte er ein 20 kg schweres Gerät über seinem Kopf heben. Über Stunden. Zehn Euro Stundenlohn waren vereinbart. Doch der Arbeitgeber hat nur einen kleinen Betrag gezahlt. 690 Euro sind offen – seit Wochen. Ob es einen Anwalt gibt, der vielleicht helfen kann. Ob er da hingehen darf und der Anwalt ihm helfen darf? Er hat ja eine Aufenthaltsgenehmigung aber keine Arbeits-genehmigung. Er ist nicht der einzige, der um seinen Lohn betrogen wird. Für manche Subunternehmer scheint das ein Geschäftsmodell zu sein. Er weiß, wo das Büro von seinem ehemaligen Arbeitgeber ist und ist erleichtert zu erfahren, dass es für ihn Anlauf-stellen für Rechtsberatung gibt.

Tagelöhner

Ein neuer Chef. Eine neue Baustelle. Der Chef ist nett, hat aber Probleme mit dem Alkohol. So hofft A. jeden Morgen auf den Anruf, dass er zum Arbeiten kommen kann. Die beiden letzten Tage kam nichts. Der Chef muss dann ausschlafen. Gestern hat A. einen anden Auftrag abgesagt und fürchtet, dass der andere Auftraggeber ihn jetzt abgeschrieben hat.

Outsourcing von Pannenfolgen

Eigentlich wäre es vor einigen Tagen nötig gewesen Material nachzubestellen. Das ist nicht geschehen. Nun gilt die Gleichung: Kein Material – keine Arbeit – kein Geld. Er geht jeden Tag auf die Baustelle und hört: Kein Material gekommen – keine Arbeit. Er muss wieder gehen. Es wird zu seinem Risiko gemacht.

Probearbeiten

Er soll auf einer Baustelle Beton gießen. Das hat er noch nie gemacht. Er schaut sich Videos auf Youtube an und geht zum Probearbeiten. Der Arbeitgeber ist zufrieden. Gibt ihm für acht Tage Arbeit. Vielleicht auch mehr. Fünfzehn Euro die Stunde.