Apotheken-Glück

Er braucht regelmäßig Medikamente, damit er mit der einen verbliebenen Niere leben kann. Die bekommt er vom Medizinmobil oder einer anderen Stelle, die Menschen ohne Krankenschein behandelt – sofern vorhanden oder muß sie über Privatrezept selber besorgen. Es läuft dann auf 120 Euro im Monat raus – und das bei einem Stundenlohn auf der Baustelle von fünf Euro manchmal auch weniger. Nun hat er ein Medikament bekommen, das er spritzen soll. Aber Spritzen hatten sie nicht mehr. Die würde er in einer Apotheke bekommen. Ein Freund rät ihm, das Medikament in die Apotheke mitzunehmen.

Die freundliche Apothekerin schaut sich das Medikament an, läßt sich das Woher und Wofür erzählen. Und er erzählt von seiner Situation, daß er illegalisiert hier lebt, das Studium des Sohnes zuhause mit der Arbeit hier finanziert, die eine Niere im Krieg verloren hat und in seinem armen Land keine medizinische Versorgung dafür bekommen würde.

Die Apothekerin erklärt ihm, daß die Nebenwirkungen des Medikaments, das er bekommen hat, ziemlich schwer sein können und geht in die Details. Sie hat ein alternatives Medikament. Und gibt es ihm umsonst. Er ist fassungslos und glücklich: „Hat mir auch noch gezeigt, wie ich muss spritzen“. Er kommt mit dem geschenkten Medikament prima zurecht.

Böse Überraschung: Corona und Friseur

Vor ein paar Jahren hat er den Tipp bekommen: Ein Berufsbildungswerk bildet vorwiegend migrantische Jugendliche ohne Schulabschluß aus. Auch Geflüchtete deren Berufsabschlüsse nicht anerkannt werden, können hier als Quereinsteiger zu einem Abschluß kommen. Für die Modelle (Kunden) kostet es weniger als ein Viertel von dem, was normalerweise berechnet wird. In einer ehemaligen Fabriketage gibt es auch einen Ausbildungssalon.

Ein Freund, der kurz nach Beginn der Lockerungen da war, hatte erzählt, daß „alles o.k. ist mit Masken und der Hygiene“. Doch inzwischen hat sich einiges geändert: Die Kunden und Kundinnen tragen Maske. Von den Angestellten und Auszubildenen tragen gerade ein Drittel der Anwesenden eine Maske – also: Zwei Drittel tragen keine Maske – auch der Chef nicht. Aber welche Wahl hat man, wenn das Geld knapp ist?

Danke Heinrich

Langsam spricht es sich herum: Heinrich ist gestorben und inzwischen beerdigt. Viele Jahre hat er im Mittwochscafe von Sankt Marien-Liebfrauen armen Menschen geholfen. Für viele illegalisierte Menschen ohne Krankenversicherung war er der einzige, an den sie sich mit gesundheitlichen Problemen wenden konnten. Als Krankenpfleger hat er viele Jahre in einem antroposophischen Krankenhaus gearbeitet und hat vielen durch sein Wissen über Basismedizin weiterhelfen können. Mehr über Heinrich erfährt man hier.

Maske gut

Nach längerer Zeit sehe ich ihn wieder und erkenne ihn erst als er mich anspricht an der Stimme. Er trägt eine Maske. Als ich sage, daß mir seine Gesichtsmaske das Wiedererkennen schwer gemacht hat, antwortet er: „Maske gut – Menschen mehr Respekt mit mir“. Er lebt ohne Papiere und ohne Versicherungschutz, ist angewiesen auf die Stellen, wo er ohne Krankenschein behandelt wird. Bei den Zahnbehandlungen kann nur das Nötigste durchgeführt werden.

Endlich wieder Arbeit …

Seit 16. April hatte er, der zwei bis drei Jobs am Tag macht, keine Arbeit. Ungeduldiges Warten. Und gestern endlich ein Arbeitsangebot, das er annehmen konnte. Mit einem Freund zusammen soll er auf einer Baustelle alles so vorbereiten, daß Böden und Fließen gelegt werden können. Nur sie beide werden dort sein. Mindestabstand kein Problem. Und die nächsten beiden Tage dann Pflege von Außenanlagen. Aufatmen im doppelten Sinn des Wortes.